Die mangelhafte Abfallentsorgung im Landkreis Rosenheim

Seit 2016 gibt es im Lkrs aufgrund gesetzlicher Vorgaben auch eine Bioabfall-Entsorgung. Die Bürger müssen dazu ihren Bioabfall in 10 Liter-Tüten zum örtlichen Verwertungshof bringen. Aber wer will z.B. in einer Etagenwohnung den Biomüll ansammeln, bis  die 10 Liter erreicht sind? Dieses absurde Bringsystem soll halt nur die gesetzliche  Vorschrift erfüllen; um eine effiziente Entsorgung geht es dabei nicht. In andern Landkreisen gibt es für den Bioabfall, aber auch für recycelbare Wertstoffe entsprechende Behältnisse, wie die Biotonne oder den gelben Sack, die von der Müllabfuhr angeholt werden Der Erfolg in unserem Landkreis ist entsprechend: Im Mai 2017 wurden insgesamt nur 20 t Biomüll gesammelt. Auch bei großzügiger Schätzung werden im Jahr nicht mehr als 500 t, also 2 kg/Landkreisbewohner und Jahr. Der Abfallzweckverband in Burgkirchen, der unseren Restmüll verbrennt, schätzt den Biomassenanteil am Hausmüll auf 40 – 70 kg/Einwohner und Jahr. Der Landkreis nimmt die geringe Akzeptanz des Bringsystems in Kauf. Für ihn hat Priorität, dass Müllgebühren niedrig bleiben. Die Grünen-Kreisrätin Anita Fuchs hat sich (auch in Leserbriefen) gegen das Bringsystem eingesetzt, aber bis jetzt ohne Erfolg.

Auch bei der Entsorgung von Kunststoffabfällen rangiert unser Landkreis eher in den unteren Rängen. Bundesweit werden laut Internet von jeder Privatperson etwa 22 kg/Jahr gesammelt. Die Verwertung erfolgt entweder stofflich (Recycling, ca. 40%) oder energetisch  (Verbrennung, ca. 60%), was ökologisch nicht gleichwertig ist. Bei uns beträgt das Gesamtaufkommen nur rund 4 kg. Schuld an der geringen Quote ist wohl auch hier das umständliche Sammelsystem: Man muss die Wertstoffe zum Verwertungshof bringen und dort getrennt nach Restkunststoffen, Bechern, Folien usw. einwerfen. Dies verführt natürlich dazu, die Kunststoffverpackungen einfach in den Restmüll zu geben. Wenn sich der Leerungstermin der Mülltonnen einmal verschiebt, kann man diese anhand der überquellenden Tonnen am Straßenrand gut beobachten. Bei Papier, Altglas und Getränkekartons ist die Recyclingquote deutlich besser, da die entsprechenden Container im Siedlungsbereich aufgestellt sind. Neben den Verpackungsabfällen wollen die Haushalte gewichtmäßig ungefähr nochmal so viele andere Kunststoffgegenstände (Spielzeug, Haushalt- und Gartengeräte etc.) loswerden. Diese werden aber nicht recycelt, weil das Duale System Deutschland als Partner unseres Landkreises nur Verpackungen abnimmt, sondern zum  Restmüll gegeben und zusammen mit diesem verbrannt, obwohl eine sortenreine stoffliche Verwertung gerade dieser meist relativ großformatigen Gegenstände oft sinnvoll wäre.

Günther Polz

05.03.2018

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